Erster Physikveranstaltung

Ich habe ja lange nichts mehr von mir hören lassen. Das liegt einfach daran, dass die erste Uniwoche begonnen hat und ich mit allen möglichen beschäftigt war, nur nicht mit bloggen (ich mag diese neudeutschen Wörter auch nicht).

In der letzten Woche konnte man alle möglichen Kurse ausprobieren und sich danach entscheiden, ob man die ein Semester lang besuchen möchte, oder auch nicht. Abschließend gibt man dann das Kurs-Registrierungsformular ab und wartet eine Woche auf die Einschreibungsbestätigung. Das ist allerdings nur eine Formalität, denn es gibt keine Zurückweisung, es sei denn, man hat irgendwelche Fehler bei der Kurswahl gemacht (z.B. darf ich maximal 4 Sprachkurse besuchen).

Stundenplan

Stundenplan

Der Stundenplan sieht nur erst einmal nicht zu voll aus (besonders, da Donnerstag frei ist). Man sollte allerdings wissen, dass in Japan die Vor- und Nachbereitung ziemlich auswendig ist.

Es tut mir Leid, dass ich keine hübsche Übersetzung für „Learning from life abroad“ gefunden habe, aber es heißt so viel wie „Lernen vom Leben in einem fremden Land“.

Zu den vier Sprachkursen, drei Kulturkursen und den zwei Physikstunden kommt dann noch das sogenannte „Independent Study“ (also „Unabhängiges Studium“). Das bedeute in meinem Fall, dass ich in der Forschergruppe von Professor Sasada mitarbeite. Und da habe ich auch schon eine super Überleitung zum heutigen Physikkurs, den ich ja schon in der Überschrift erwähnt habe.

Ich habe heute eine sehr amüsante Stunde erlebt (konkret geht es um die erste und zweite Stunde am Montag). Dort sitzt die ganze Gruppe von Professor Sasada (inklusive mir) in einem Seminarraum. Die Tische sind in einem Rechteck aufgestellt und Gegenstand des Seminars ist das Buch Introduction to modern optics (also „Einführung in die moderne Optik“, habe ich bereits bestellt, aber das Verschiffen dauert knapp einen Monat).

Nun ja, wir saßen also im Kreis und dann wurde von einem nach dem anderen ein Satz vorgelesen und anschließend ins Japanische übersetzt. Aus diese Weise haben wir dann doch 4 Seite (im A5-Format) in 90 Minuten geschafft. Ich habe dann immer eine Seite komplett gelesen und habe mir dann die anderen Studenten angeschaut. Es klinkt schon lustig, wenn Japaner einen englischen Text vorlesen (das soll in keiner Weise ein „Lustigmachen“ sein).

Der Inhalt selber ist ganz interessant, da man prinzipiell weiß, worum es geht, aber man hat sich nie so detailliert damit beschäftigt. Ich denke ich werde das Buch wohl mal in einer Woche am Stück durchlesen, denn es ist auch eine ganz gut Vorbereitung auf die Prüfung in meinem Vertiefungsfach (Angewandte Physik, genauer: Optik und Halbleiterphysik).

In Japan ist es üblich, dass man sich in der ersten Stunde von jedem Seminar vorstellt. Ich weiß nicht, wie oft ich das jetzt gemacht habe, aber inzwischen kann man dann sogar ein paar Sätze in Japanisch sagen:

はじめました。私はFelix です。ドイツから 来ました。日本で KIPの留学生です。専門は 物理学 です。どうぞよろしく、お願いします。
Aussprache: Hajimemash(i)ta. Watashi wa Felix des(u). Doitsu kara kimash(i)ta. Nohon de KIP no riyū-gakusei des(u). Senmon wa butsurigaku des(u). dōzoyorosh(i)ku, onegaishimas(u). (geklammerte Buchstaben verschlucken und überstrichene Buchstaben lang aussprechen).
freie Übersetzung: Nett euch zu treffen. Ich bin Felix. Ich komme aus Deutschland. In Japan bin ich ein KIP-Austauschstudent. Mein Fach ist Physik. Vielen Dank und seit nett zu mir.

KIP (Keio International Program) ist das Austausch-Programm, für das ich nach Japan gekommen bin.

Nach dem Seminar habe ich dann noch meinem Platz im Labor gezeigt bekommen. Das wird toll, denn meine Mitstudenten freuen sich richtig über den Physikstudenten aus Deutschland.

Wir sind dann noch gemeinsam in die Mensa (学生食堂 = gakuseishukudō). Dort habe ich dann den Fehler gemacht, dass ich schon „Guten Appetit“ (いただきます = itadakimas(u), wörtlich: ich bin so frei) gesagt habe, als noch einer gefehlt hat. Aber als Gaijin (Ausländer) darf man das.

Sorry für den langen Bericht ohne Bilder. Es gibt demnächst wieder Photos, wenn ich von meinem Wochenende berichte. Das wird heute aber nichts mehr (es ist bei mir gerade 23:30 Uhr).

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5 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Trackback: Alles dreht sich ums Essen « A Geek In Japan
  2. Stefan
    Okt 08, 2010 @ 05:54:12

    Ich habe ja auch lange nichts mehr von mir hören lassen. Ich war die Tage auf Dienstreise beim Billiard Workshop in Marburg, und bin zurzeit hauptsächlich befasst, mich durch einen Berg von 600 neuen E-Mails zu schlagen.

    Im Übrigen waren die Highlights meiner Rechtschreibkontrolle (die bei mir ja als Hintergrund-Prozess immer mitläuft): „Man sollte allerdings wissen, dass in Japan die Vor- und Nachbereitung ziemlich auswendig ist.“ (Deswegen sitzen die also so lange vor den Büchern.) und „Es klinkt schon lustig, wenn Japaner einen englischen Text vorlesen.“ (Stell ich mir in der Tat lustig vor, wenn was klinkt, während jemand vorliest.)

    Antwort

    • hobbyblobby
      Okt 08, 2010 @ 08:24:27

      Ich frage mich gerade, was sich nicht Eingeweihte unter einem Billard Workshop vorstellen.

      Was die Fehler angeht: Pah, ist mir doch egal. Das ich häufig „auf“ und „aus“ verhaue ist mir auch schon aufgefallen. Keine Ahnung, warum das so ist. Wenn ich abel anfange, „r“ und „l“ zu velwechsern, wissen wil ja wohel das kommt.

      Antwort

  3. Franz
    Okt 21, 2010 @ 01:49:45

    Hi,

    unter einem Billiarworkshop würde ich mir als unbedarfter einfach ein Wochenende mit Billiardspielen vorstellen, sowie erlernen von Regeln.

    Also wenn ich das recht lese, dann achten die Japaner, auch die jungen sehr auf Höflichkeit und Etikette?

    Grüße

    Antwort

    • hobbyblobby
      Okt 21, 2010 @ 09:56:55

      „Wochenende mit Billiardspielen vorstellen, sowie erlernen von Regeln“
      Das ist das, was sich die meisten Leute vorstellen. Aber jetzt versuche mal an theoretische Physiker zu denken und an alles, was du über nicht lineare Dynamik weißt.

      „achten die Japaner, auch die jungen sehr auf Höflichkeit und Etikette“
      Hierarchie ist hier alles. Das heißt eben auch, dass man gegenüber jemanden, der höher in der Hierarchie steht, höflich ist. Höflich heißt unter anderem eben, dass man eine andere Sprache verwendet, Keigo. Das gehört hier einfach dazu und darüber macht sich auch keiner Gedanken. Wenn dich das interessiert, dann komme einfach jeden Dienstag die dritte Doppelstunde (13:00 – 14:30 Uhr) zum Mita Kampus (Minato-ku, Tokyo) und besuch mit mir den Kurs „Learning from live abroad“.

      Antwort

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