Angekommen

Ich bin wieder in Deutschland, genauer: in Dresden. Pünktlich und ohne Probleme bin ich in Frankfurt gelandet, wo mich mein Papa abgeholt hat.

In Gedanken habe ich allerdings Dresden noch nicht erreicht. Wenn ich raussehen, gehe ich davon aus, dass ich den Bahnhof Hiyoshi sehe.

Ansonsten kann ich mir die Nachrichten nicht so richtig ansehen. Es ist eben nicht mehr das Land „am anderen Ende der Welt“, es war für mehr als 6 Monate eine Heimat für mich. Ganz besonders denke ich im Moment an meinen Mitbewohner Nicola. Er hat nicht so schnell einen Flug bekommen und versucht nun erst einmal nach Osaka zu kommen. Osaka ist nicht nur doppelt so weit weg von Fukushima wie Tokyo, auch soll von dort der Flugverkehr noch regelmäßiger verlaufen. Ich hoffe, er antwortet bald auf meine Anfrage.
[Update:] Ich habe gerade erfahren, dass Nicola wohlauf in Italien angekommen ist.

Vielen Dank an alle, die mich unterstützt haben. Auch wenn ich im Moment noch traurig über dieses Ende meines Traumes bin, so bin ich doch dankbar, erst einmal nicht mehr neben einer Atombombe zu sitzen (ich weiß, dass der Vergleich aus physikalischer Sicht nicht korrekt ist, aber was tut man nicht alles, für eine spektakuläre Formulierung).

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Abflug

Ja, es ist besser so. Auch wenn es mich echt traurig stimmt, ich versuche gerade meine frühzeitig Abreise zu organisieren. Es ist schon alles gepackt und morgen geht es zum Flughafen. Im Moment besteht zwar noch nichts passiert, wenn aber etwas passiert, dann bricht hier wohl die Panik aus. Man muss sich nur einmal vorstellen, wenn die 25 Millionen Menschen im Großraum Tokyo versuchen auf einmal zu fliehen. Es ist sogar schon soweit, dass die Fahrradgeschäfte ausverkauft sind, weil den Menschen bewusst ist, dass man mit einem Auto da nicht weit kommen wird.

Nun ja, mal etwas konkreter: Ich habe einen Flug gebucht, der Morgen (15.03.) in Narita um 18:00 Uhr abfliegen soll. Die Flüge sollen ja im Moment weitesgehend normal abgefertigt werden. Aber ich will ja keinen Gaddafi an die Wand malen. Wenn alles wie geplant klappt, dann lande ich 6:30 Uhr am 16.03. in Frankfurt.

Also drückt mir die Daumen, und vielleicht wird der nächste Eintrag in Deutschland geschrieben.

Das Land der Technik ohne Strom

Bei uns hat gerade ein japanische Mitbewohnerin geklingt. Wir werden die nächsten Tage wohl öfters keinen Strom haben.

Na gut, es ist auch etwas genauer bekannt: Ab morgen werden wird uns von 9:20 Uhr bis 13:00 Uhr und von 18:20 Uhr bis 22:00 Uhr (japanische Zeit, ihr müsst für euch also 8 Stunden abziehen) der Strom abgestellt.
[Update] Es gibt jetzt auch noch widersprüchliche Angaben zu den Zeiten. Genauer gesagt, es ist nicht ganz klar, zu welcher Gruppe unser Wohnheim gehört. Es wird also morgen zeigen, wann der Strom weg ist.
[2. Update] Jetzt heißt es, dass der Strom zwischen 12:20 Uhr und 16:00 Uhr abgestellt wird. Ich hoffe, es bleibt dabei, denn diese Zeit ist wesentlich angenehmer als die erste Variante (ich sage nur „Morgendusche“, denn ohne Strom kein Wasser).

Wie lange das so geht, wissen wir nicht ganz. Es gibt da zwei Optionen: bis Ende des Monats / Anfang April, oder bis Ende April.
[Update] Wir es aussieht, trifft die erste Option zu, das heißt, wir müssen uns nur bis Anfang April gedulden. Ganz ganz ist eine Stromsparaktion, bei der die Stadtteile in verschiedene Gruppen ausgeteilt werden, die jeweils zu unterschiedlichen Zeiten keinen Strom haben.

Das heißt, dass ich in dieser Zeit definitiv nicht online bin. Ich werde natürlich dafür sorgen, dass meine Handyakkus geladen sind und ich so weiterhin erreichbar bin. Für dringende Nachrichte in den oben genannte Zeiträumen verwendet bitte meine Handynummer, oder die mobile eMail-Adresse (felixlemke@softbank.ne.jp). Hierbei ist aus Kostengründen wohl die mobile eMail vorzuziehen.

Wie geht es weiter: Ich bin bei der deutschen Botschaft in Tokyo registriert, sodass ich über alles Notfallpläne informiert werde. Bis dahin bleibe ich in erster Linie ruhig und lese Nachrichten. Auch hier zeigen sich die deutschen Nachrichten etwas kritischer als die japanischen.

[3. Update] Also es steht jetzt fest. Der Strom wird nur von 12:20 Uhr bis 16:00 Uhr abgestellt. Das heißt, dass man zumindest morgens in Ruhe Duschen und Frühstücken kann, und Abends kann man dann wieder Kochen. Die schlechte Nachricht: wir haben erfahren, dass es doch bis Ende April die Abschaltungen geben wird. Dabei steht aber noch nicht fest, ob der Strom täglich abgestellt wird, oder nicht.

Erdbeben

Auch bei euch (zumindest bei den Nachrichten Schauenden) ist wohl die Erdbebenmeldung aus Japan angekommen. 400km nordöstlich von Tokyo lag das Zentrum des Erdbebens mit der Stärke 8,9. Man kann auch den Meldungen trauen, die behaupten, das Beben sei in Tokyo zu spüren gewesen. Ich kann euch versichern, es war sehr deutlich wahrnehmbar (bis dahin, dass man sich festhalten musst, um nicht hinzufallen).

Nun zunächst einmal: hier in Hiyoshi (und wohl auch im restlichen Tokyo) geht es allen gut. Was wir als erstes gemerkt haben (außer das Beben selber) war der Stromausfall. Daher war es uns auch nicht möglich, mehr zu erfahren. Erst jetzt kann ich mich (auf der deutschen Nachrichtenseite tagesschau.de) erkundigen. Es ist da von Hunderten Toten die Rede. Da war der Zug-/ und Stromausfall wohl eher ein geringes Problem.

Jetzt ist es bei mir 23:00 Uhr und die ersten Züge fahren wieder. Kurz darauf gab es auch wieder Strom. Also zumindest ist hier soweit wieder alles in Ordnung. Ich denke, wir werden wohl in den nächsten Tagen mehr erfahren (insbesondere auch hinsichtlich der beschädigten Kernkraftwerke).

Ansonsten kann man festhalten: auf ein Erdbeben kann man als Erfahrung in Japan ruhig verzichten.

Sonnenanbeter an Neujahr

Erster Sonnenaufgang im neuen Jahr

Erster Sonnenaufgang im neuen Jahr


Ein fröhliches und glücklich machendes neues Jahr wünsche ich euch allen. Wie ihr euch vielleicht denken, greife ich mit dem Sonnenaufgang ein wenig in der Silvester-Beschreibung vor. Fangen wir also von vorne an.

Essstände in Harajuku

Essstände in Harajuku


Noch am 31.12. abends bin ich nach Harajuku gefahren. Wer ein gutes Gedächtnis hat: Ja, ich war schon einmal in Harajuku. Diesmal war ich dort mit ein paar Freunden (sowohl Austauschstudenten als auch Japaner) zur Besichtigung des Meji-Schreins verabredet. Das Treffen war um 23:00 Uhr angesetzt, ich bin allerdings ein wenig eher hin gefahren, um mir noch einen Schal zu besorgen.

Mein Takoyaki wird vorbereitet

Mein Takoyaki wird vorbereitet


In den Straßen um den großen Park waren eine ganze Menge Stände mit allerlei Leckereien aufgebaut. Da könnt ich auch nicht widerstehen und habe mich für den Abend mit Takoyaki (たこ焼き) gestärkt. Das sind japanische Fleischbällchen, die mit einem Oktopusstück gefüllt sind. Das ganz ist wirklich lecker, auch wenn es für einige vielleicht zunächst einmal eher abschreckend klingt. Aber in der japanischen Küche braucht man als Europäer eigentlich nur eins: Mut.

Der Meji-Schrein kurz nach Neujahr

Der Meji-Schrein kurz nach Neujahr

Die Warteschlange vor dem Schrein

Die Warteschlange vor dem Schrein


Dann ging es aber zu meine Verabredung. Traditionell besucht man in Japan an Silvester einen Schrein. Dort wird dann von Mönchen eine Zeremonie abgehalten und zur Begrüßung des neuen Jahres die Trommeln geschlagen. Anschließend beten man noch kurz und widmet sich dann den privaten Feiern. Nun ist der Meji-Schrein einer der bekanntesten Schreine in Tokyo, und die Anzahl der Besucher deshalb entsprechend hoch. Die wirklich sehr breiten Zugangswege waren voll gestopft. Zur Zeremonie selber waren keine privaten Zuschauer im Schrein (es waren eh viel zu viele). Und so konnte man das Geschehen beim Warten vor dem Schrein auf einen Leinwand beobachten. Diese Leinwand zeigt aber auch nützlich hinweise, die einen das Warten erleichtern sollten, wie zum Beispiel: „Es ist voll hier. Bitte sei nett.“ und „Bitte vermeide Unfälle“.

01.01.2011 0:00 Uhr

01.01.2011 0:00 Uhr


Dann war es endlich soweit: Das neue Jahr wurde eingetrommelt und die Menge bewegte sich Stück für Stück in den Schrein. Drinnen wurde dann am Fließband gebetet: Ein Geldstück zum Schrein schmeißen, in die Hände klatschen (um die bösen Geister zu vertreiben) und anschließend Beten (also eigentlich mehr: sich etwas wünschen).

Essstände am Schreinausgang

Essstände am Schreinausgang


Kaum aus dem Schrein heraus getreten fand man auch schon neue Essstände. Dort habe wir uns dann für den weiteren Verlauf gestärkt. Es ist inzwischen so gegen 1:30 Uhr. Aber auch wenn die meist genutzten Bahnen ausnahmsweise die ganz Nacht durchfahren (Japanischer Nahrverkehr macht zwischen 1 Uhr und 4 Uhr Pause), fuhr die erste Bahn nach Hiyoshi erste 4:38 Uhr.

Im Restaurant

Im Restaurant


Um uns also die Zeit bis zum ersten Zug zu vertreiben, sind wir in ein Restaurant gegangen. Dort unterhielten wir uns bei einem grünen Tee, und die Zeit ging ganz schnell herum. Irgendwie hat sich dann in der Unterhaltung ergeben, dass Joey (aus Kanada) von zwei anderen Freunden noch zum Sonnenaufgangs-Schauen in Yokohama eingeladen war. Na ja, warum nicht? Drei von uns (inklusive mir) haben uns dann also mit dem ersten Zug nicht nach Hiyoshi, sondern nach Yokohama begeben.

Die Sonnenaufgans-Gucker: v.l.n.r. Joey (Kanada), Masahiko (Japan), Qiyuan (China), Lauren (Kanada), Rune (Norwegen)

Die Sonnenaufgans-Gucker: v.l.n.r. Joey (Kanada), Masahiko (Japan), Qiyuan (China), Lauren (Kanada), Rune (Norwegen)

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang


Wir trafen und also 5 Uhr in Yokohama und sind dann mit dem nächsten Zug „aufs Land“ gefahren. Was wir vorher nicht wussten: die Fahrt sollte so um die anderthalb Stunden dauern. Anschließen wartete noch eine Busfahrt von 20 Minuten zur Küste auf uns. Dieser Wort war nicht gerade ein Geheimtipp, sodass sich eine ganze Menge Japaner auf den Felsen versammelten. Der Sonnenaufgang selber ging dann relativ schnell (so von 6:40 Uhr bis 7:00 Uhr). Um die lange Anfahrt zu rechtfertigen sind wir dann noch ein wenig an der Küste gewandert. Von einem sehr hübschen Städtchen (oder ist das auch ein Stadtteil von Yokohama?) in einer Bucht sind wir dann mit dem Bus zurückgefahren. Wieder mit dem Zug nach Yokohama gefahren, haben wir uns dann nach einem Frühstück umgesehen.

Völlig fertig bin ich dann gegen 11:30 Uhr wieder zu Hause in Hiyoshi angekommen. Alles in allem war es eine echt japanische Erfahrung und super schön. Wenn ihr noch ein paar Eindrücke möchtet, dann schaut doch im Album vorbei.

Ich wünsche alles ein fröhliches neues Jahr

Ich wünsche alles ein fröhliches neues Jahr

Happy Birthday to Tennō

Hafenskyline von Yokohama

Hafenskyline von Yokohama

Weihnachtsbaum in Yokohama

Weihnachtsbaum in Yokohama


Ja, richtig gelesen. Am 23.12. war der Geburtstag des japanischen Kaisers. Das bedeutet, das war einer der zwei Tage, an denen man die Kaiserfamilie mal live (hinter Panzerglas) sehen kann. Der zweite Tag ist der 01.01. eines jeden Jahres. Und ich war nicht da. Stattdessen habe ich mich auf ein eher nicht-asiatisches Fest gestürzt. Ich war in Yokohama auf dem Weihnachtsmarkt. Aber den kaiserlichen Besuch werde ich wohl zu Neujahr nachholen, frei nach dem Motto: „wenn man schon einmal hier ist“.

Stand mit gebrannten Mandeln

Stand mit gebrannten Mandeln


Nun ja, der Weihnachtsmarkt selber war dann irgendwie kleiner, als man sich das bei der Werbung vorstellt. Auf der einen Seite gab 6-7 Buden mit Essen (inklusive gebraten Mandeln und Stollen), auf der anderen Seite gab es Zelte zum Sitzen. Da ich am nächsten Tag (also der 24.12.) den ganzen Tag im Labor verbrachte, habe ich natürlich überlegt, meinen Laborfreunden einen Stollen mitzubringen, aber ganz ehrlich, 30 Euro ist so ein Teigbatzen mit Rosinen nun auch nicht wert, oder? Als Ausgleich gab es dann Keks mit belgischer Schokolade. Das ist zwar nicht wirklich Deutsch, aber auf die Entfernung ist das gar nicht so weit daneben.

Der Weihnachtsmarkt (fast komplett auf dem Bild)

Der Weihnachtsmarkt (fast komplett auf dem Bild)

Es gibt ihn doch!

Es gibt ihn doch!


Der Weihnachtmarkt selber befand sich zwischen zwei alten Ziegelhäusern direkt am Hafen von Yokohama. Diese Häuser wurde nach ihrer Renovierung zu einem Einkaufscenter umgebaut. Diese Tatsache hat die Größe des eigentlichen Marktes wieder gut gemacht, sonst wäre die Anfahrt doppelt so lange wie der Rundgang gewesen.

Winterbekleidung auf Japanisch

Winter-beklei-dung auf Japa-nisch


Gerüchten zu Folge, soll es ja keinen Weihnachtsmann geben. So ein Unsinn, man hat nur am falschen Ort gesucht. Der Nordpol ist viel zu kalt, der Weihnachtsmann wohnt in Japan und vertreibt sich die Zeit mit Schlittschuhlaufen. Auch sonst gab es manch lustige Gestalten. Aber besonders sind die Japanerinnen aufgefallen, die unter „Winteroutfit“ wohl etwas Anderes verstehen als wir.

Kerzenblumen-Treffen

Kerzenblumen-Treffen

Laterne vor Palmen

Laterne vor Palmen


Anschließend bin ich dann noch nach Yokohama rein gelaufen. Dort fand das Kerzenblumen-Treffen statt. So steht es zumindest auf den Laternen rund um das erleuchtete Kerzenfeld: 燈花会 (bei dem ersten Kanji bin ich mir nicht ganz sicher, weil da zu viel verdeckt ist).

Wenn ihr noch ein paar mehr Bilder sehen wollt, dann könnt ihr wieder im Bilderalbum vorbei schauen.

Damit ganz liebe Weihnachtsgrüße und ein paar schöne Feiertage. Lasst es euch gut gehen!

Die "Red Brick" Warenhäuser

Die "Red Brick" Warenhäuser

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